Faire Gagen für junge Bands

Alle Bands sollten immer eine faire Gage bekommen.

Diese Grundhaltung gegenüber jungen Bands begleitet mich in unterschiedlichen Projekten und Kontexten seit Jahren: Bei familiären Clubshows genauso wie bei kleinen und größeren Festivals.

Die Praxis zeigt leider, dass nach wie vor viele Veranstalter/innen gerade jungen Bands häufig keine fairen Gagen anbieten können (oder wollen). Teils kommt es noch schlimmer und es werden unsägliche Pay-To-Play-Modelle oder vergleichbare Abzockdeals angeboten.
Es ist selbstverständlich nicht in Ordnung, einer Band für ihren Auftritt keine Gage anzubieten. Und die Band für ihren Auftritt noch bezahlen zu lassen, ist unfair und ungehörig. Warum? Weil auch die junge Band viele Stunden im Proberaum verbracht hat, um die Stücke für den Auftritt zu proben. Weil sie viele Stunden damit verbracht hat, sich mit Themen wie Öffentlichkeitsarbeit, Konzertverträgen, GEMA, Urheberrecht, usw. usw. auseinanderzusetzen. Weil die junge Bands mit ihrem Auftritt die Kneipe voll macht und damit auch die Kasse durch Thekenumsatz. Weil der junge Supportact vor der internationalen Band auf Tour dem Club zumindest ein paar zahlende Gäste in den Laden bringt (und damit wieder Umsatz). Weil selbstverständlich auch die Musik von Nachwuchsbands einen „kulturellen Wert“ hat. Und nicht zuletzt, weil sich in einer fairen Gage für junge Bands auch eine Begegnung auf Augenhöhe und eine Anerkennung des eigenen Engagements widerspiegelt.

Die Frage, wann eine Gage „fair“ ist, ist natürlich kaum pauschal zu beantworten. Ich gehe immer von dem Grundgedanken aus, dass eine (Nachwuchs-)Band mindestens die unmittelbar mit dem Auftritt verbundenen Kosten (z.B. Fahrtkosten, Verbrauchsmaterial, Werbung) damit decken können sollte. Ist eine Band schon so weit, ihren Lebensunterhalt mit ihrer Musik zu bestreiten, sind die Fixkosten natürlich viel höher und die Gagenkalkulation auf Veranstalterseite sollte dies auch berücksichtigen. Die tatsächlichen Beträge können dann natürlich stark variieren und sind natürlich von vielen Faktoren abhängig – zum Beispiel der Frage, ob das Konzert irgendwie „öffentlich“ gefördert wird, etwa vom Kulturamt einer Stadt oder sonstigen Stellen. Ist dies der Fall, müssen natürlich schon bei der Beantragung der Förderung garantierte Gagen für die Band einkalkuliert werden. Zusätzlich kann es natürlich trotzdem noch einen Doordeal  geben (also eine prozentuale Beteiligung an den Eintrittseinnahmen).

Ich würde sogar noch weiter gehen und die Grundhaltung erweitern wollen:

Alle Bands sollten immer eine faire Gage bekommen. Außerdem bekommt jede Band selbstverständlich ein vernünftiges Catering und vernünftige technische Rahmenbedingungen.

Es scheint mir vollkommen inakzeptabel, Bands bei einem Auftritt für ihr Catering und ihre Getränke zahlen zu lassen. Klar ist es bei vielen Veranstaltung finanziell nicht drin, ein Mehr-Gänge-Catering oder unbegrenzt Wunschbestellungen von der Pizzabude umzusetzen. Es sollte aber immer möglich sein, den Bands ein solides Catering zu bieten: Nachmittags zum Soundcheck Kaffee, Softdrinks, Brötchen und Snacks und vor dem Konzert eine warme Mahlzeit. Eine Kiste Bier sollte dann für den Abend auch noch drin sein. Bislang konnten wir das bei wirklich jeder Veranstaltung realisieren – es gab durchaus Konzerte, wo wir mit 40€ für 20 Personen gekocht haben und alle satt und zufrieden waren.

 

Abschließend noch eine kleine Geschichte:
Manchmal treibt das mit den Gagen aber auch ziemlich seltsame Stilblüten. Kürzlich sprach ich mit einer jungen Band (solider, aber unspektakulärer deutschsprachiger PopRock; viele lokale und einige regionale Konzerte; Release des ersten Albums Ende April 2017) über ein Booking. Es ging um einen einstündigen Auftritt auf der Nachwuchsbühne bei einem kleinen Stadtfest in einem 60 km entfernten Ort.

Für diesen Auftritt hat die Band dann 900€ aufgerufen. Was leider vollkommen unrealistisch ist. Das Budget der Veranstaltung gibt maximal 400-500€ pro Band her, was für Nachwuchsbands in diesem Setting m.E. auch eine ziemlich faire Gage ist. Die Band war da leider anderer Meinung, mit der Begründung, sie hätten bereits so hohe Kosten für die Produktion des Albums gehabt und müssten diese nun wieder reinholen. Das hätten ihnen auch die Marketing-Menschen von dem Vertrieb geraten, der das noch erscheinende Album vertreiben wird. Der Auftritt sei die geforderten 900€ aber auch auf jeden Fall wert: „perfekt ausgearbeitete Show, die Leute gehen garantiert ab“. Außerdem würde der Release des Albums von so intensiver Pressearbeit begleitet werden, dass allein wegen besagter Band viele Besucher/innen zu dem Stadtfest kommen würden.
Da die Band aber bisher im Ort des Stadtfestes noch nicht gespielt hat, dürfte die Zahl der tatsächlich zu erwartende Besucher/innen, die extra wegen ihnen zum Konzert kommen, vermutlich eher gering sein. Zumal das Stadtfest an der Abendkasse 10€ Eintritt kostet, wodurch gerade viele Jugendliche tendenziell abgeschreckt werden.
Interessant war, dass die Band selbst sagte, bisher meist in Jugendzentren oder ähnlichen kleineren Läden für deutlich geringere Gagen gespielt zu haben – nun aber auf Anraten des Vertriebes die eigenen Gagenvorstellungen nach oben justiert hat. Das Unternehmen macht übrigens in Zukunft auch das Booking für die Band. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Es drängt sich die Frage auf, ob hier die Unerfahrenheit – gepaart mit einer leicht realitätsfernen Selbsteinschätzung der eigenen Reichweite –  einer jungen Band ausgenutzt wird. Oder anders: Es stellt sich die Frage, ob hier eine Nachwuchsband  von einem kommerziellen Unternehmen verheizt wird.

In diesem Fall führte die übersteigerte Gagenvorstellung der Band jedenfalls dazu, dass eine andere Band gebucht wurde. Die leider mit der Forderung verbundene fehlende Verhandlungsbereitschaft wird wohl auch dazu führen, dass die Band auch für andere Konzertoptionen nicht gebucht wird. Schade eigentlich.

1 Kommentar

  1. Jede Form von öffentlicher Kulturarbeit sollte eine Vergütung bekommen. Das ist ein wichtiger und richtiger Grundgedanke der Argumentation, der hier mit vielen Anekdoten ausgeschmückt wurde.
    Als Kunstschaffender sehe ich auf dem Arbeitsmarkt aber gleichzeitig noch eine zweite weitaus größere Baustelle, denn diese niedrige Wertschätzung kommt ja nicht von ungefähr:
    Es gibt immer noch „KünstlerInnen“ und damit schließe ich auch Bands ein, Unterrichte an Instrumenten, die den Preis drücken und Konzerte für Umme spielen, nur um zu spielen. Das ist natürlich aus zwei Seiten zu betrachten und oft kann man kein Vorwurf machen, ABER beispielsweise Bands die seit Jahren Clubs fürs 50 Euro bespielen, zerstören den Markt und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Vergütungen und Wertschätzung künstlerischem Schaffens.

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